Beyle Schaechter-Gottesman

די פּאָעטעסע, זינגערין און מאָלערין בײלע שעכטער־גאָטעסמאַן ז''ל האָט אונדז איבערגעלאָזט אױף הפֿקר

 

זײַ געזונט, זײַ געזונט
צײַט צו גײן, מוז מען גײן...1
 

In a gor zeltenem tog iz avek a zeltener oytser fun der yidisher shprakh, muzik, literatur un kultur: dem 28stn november, ven es iz tsunoyfgefaln di tsveyte nakht khanike mit danktog (thanksgiving) un men hot dem dozikn tog afile gegebn a spetsyel nomen thanksgivuka (andere hobn im gerufn hanugiving), in aza zeltenem tog, vos kumt for nor eyn mol in 79.000 yor, iz aroyf in di himlen Beyle Schaechter-Gottesmans z‘‘l neshome, bagleyt fun ire eygene lider, arumgeringlt fun mishpokhe un fraynt.

Beyle Schaechter-Gottesman iz geboyrn gevorn in Vin dem 7tn oygust 1920. In 1921 hot zikh di mishpokhe ibergetsoygn keyn Tshernevits oder kleyn-Vin, vi di Tshernevitser hobn gerufn zeyer shtot, vu Beyle iz oyfgehodevet gevorn mit Elyezer Shteynbargs alef-beys, in morgnroyt, shulfareyn un mit der kultur, vos iz geven in shtot tsi vos hot gastirt, vi lemoshl di vilner trupe un herts grosbard.

Tsu 16 yor iz zi gegangen keyn Vin tsu nemen moleray-klasn un geblibn in shtot biz a bisl nokhn ‚araynmarsh‘ fun di daytshn in 1938 – vi zi hot oft mol dertseylt, kedey tsu zen di reaktsyes fun di ortike mentshn.

Milkhome-tsayt iz zi geven in Tshernevitser Geto, un durkhgemakht mit ir mishpokhe a tsayt fun antloyfn. Di sovetn hobn ir avekgenumen dem tatn in 1940, im farshikt keyn sibir, fun vanen er hot zikh keyn mol nit umgekert, un dos iz geven a veytik a gants lebn.

Fun 1945 biz 1947 in Bukarest, nokh dem vider in Vin biz 1951, ven zi hot bavizn tsu kumen keyn Nyu-York un zikh bazetst in Bronks.

Beyle Schaechter-Gottesman hot shtudirt inem yidishn lerer-seminar un iz gevorn a lererin in di arbeter-ring-shuln un di sholem aleykhem folkshuln. In di 1960er hot zi mit ir mishpokhe, in eynem mit ir bruders mishpokhe (di Shekhters) un di Fishmans, oyfgeboyt a heym far yidishreders mit zeyere kinder arum der sholem aleykhem shul 21: di gegnt af Bainbridge Avenue hobn zey gerufn Bainbridgivke.

In der tsayt hot Beyle ongehoybn shraybn lider, zinglider, lyalkeshpiln – koydem far di kinder, zey zoln hobn vos tsu leyenen un zikh shpiln af yidish. Hot zi aroysgegebn di zhurnaln enge-benge mit verk fun di Bainbridgivke-kinder un kinder-zhurnal.

Shpeter, ven di kinder zenen shoyn oysgevaksn groyse, hot Beyle Schaechter-Gottesman mamshekh geven shraybn, zi hot zikh oykh gelernt mit di mumkhim fun ir tsayt (lemoshl Dan Miron) in kolombye-universitet (Columbia University) vegn yidisher literatur un poezye.

Khuts di kinderbikher khayiml un taybele (1956; me vart af a nayem aroyskum in 2014 mit a tsugob fun der mekhaberte lekoved ir zun itsele), mir forn (1963), mume blume di makhsheyfe (2000) un a notnbukh vi oykh a kompaktl fli mayn flishlang (1999, 2006) hot Schaechter-Gottesman aroysgegebn 6 bikher poezye, mit originele tseykhenungen ire: steshkes tsvishn moyern (1972), sharey (1980), lider (1995), perpl shlenglt zikh der veg (2002), der tsvit fun teg (2007) un farayorn a vinkl gantskeyt (2012).

Farmogndik etlekhe talantn un di feikeyt zikh oystsudrikn kinstlerish af kolerley oyfanim, hot zi oykh aroysgelozt tsvey kompaktlekh mit originele lider: zumerteg (notnbukh 1990, kompaktl 1991) un af di gasn fun der shtot (2003). Fun der mame Lifshe Schaechter-Widman hot zi gehert a shlal mit traditsyonele yidishe folkslider un aroysgeben dos kompaktl bay mayn mames shtibele (2004). Zi hot oykh gekent lider af rumenish, ukrainish un daytsh un gehat an oysterlishn zikorn fun lange balades bizn same sof; di yidishe lider, say traditsyonele say originele, hot zi gelernt af varshtatn af der gorer velt zint di 1990er, un haynt zenen ire shafungen teyl funem internatsyonaln repertuar yidishe zinglider.

Ir hoyz in Bronks iz ale mol geven an ofns, un an ort far ofte bazukhn fun zingers, klezmorim un yidish-libhobers. Zi hot ufgehaltn di traditsye fun zingen nit nor efntlekh in varshtatn, nor oykh af zingerayen in der heym fraytik-tsu nakhts un yontoyvim. Hobn zingers gekent zikh lernen ir oyfn fun zingen, di atmosfer und dem stil in a lebedikn kontekst.

Khuts andere premyes, hot Beyle Schaechter-Gottesman 2005 bakumen a NEA National Heritage Fellowship, vos dos iz di hekhste amerikaner premye far folk-shafungen un vos shtelt aroys, az Schaechter-Gottesmans shafungen zenen nit nor vikhtik in der yidisher svive, nor me shatst zey op in algemeyn.

A hartsikn yasher-koyekh ir zun Itzik Gottesmanen, a folklorist, zinger, kultur-tuer, profesor fun der yidisher shprakh, literatur un kultur, zhurnalist un nokh, vos hot di ale yorn geshtitst zayn mame, nit nor vi a zun, nor oykh profesyonel iz er geven ir rekhte hant baym aroysgebn dos rov fun ire bikher un kompaktlekh.

Zol ir verk vayter zayn an inspiratsye un dermutikung far doyres zinger un poetn nokh ir ---

זאָלן אַלע פֿײגעלעך
װאָס בײלע האָט זײ באַזונגען
זיך צונױפֿזאַמלען אין אַ כאָר
 
זאָלן אַלע בלימעלעך
װאָס בײלע האָט זײ געמאָלן
בײגן זײערע קעפּ
 
און זאָלן מיר אַלע מיט זײ
װאָס האָבן זיך געלערנט פֿון בײלען
איר אָפּגעבן כּבֿוד

כּבֿוד איר אָנדענק!

 

Janina Wurbs

1 (funem zinglid „Azoy lang“ fun Beyle Schaechter-Gottesman)

 

Die Dichterin, Sängerin und Malerin Beyle Schaechter-Gottesman hat uns verlassen

 

Zay gezunt, zay gezunt
tsayt tsu geyn, muz men geyn...1

 An einem seltenen Tag ist ein seltener Schatz der jiddischen Sprache, Musik, Literatur und Kultur von uns gegangen. Am 28. November fielen die zweite Chanukkanacht und Thanksgiving auf denselben Tag, man gab diesem Tag sogar einen eigenen Namen: Thanksgivuka (oder Hanugiving). An einem solchen Tag, der nur alle 79.000 Jahre einmal vorkommt, hat sich Beyle Schaechter-Gottesmanns Seele aufgemacht in den Himmel, begleitet von ihren Liedern, im Kreise ihrer Familie und Freunde.

Beyle Schaechter-Gottesman wurde am 7. August 1920 in Wien geboren. 1921 zog die Familie nach Chernowitz oder Klein-Wien, wie die Chernowitzer ihre Stadt nannten. Dort wuchs Beyle auf mit Eliezer Shteynbargs Alef-Beys, im Morgnroyt2 und im Shulfareyn3, geprägt sowohl vom örtlichen Kulturangebot der Stadt, sowie von den Gastspielen, z.B. der Wilner Truppe oder von Hertz Grosbart.

Mit 16 ging sie nach Wien, um Malunterricht zu nehmen und blieb dort noch bis nach dem „Anschluss“ der Deutschen, bis 1938 — um die Reaktion der Österreicher zu sehen, wie sie häufig erzählte. Während des Krieges war sie im Chernowitzer Ghetto, und von da an lange Zeit mit ihrer Familie auf der Flucht. 1940 nahmen ihr die Sowjets den Vater. Sie deportierten ihn nach Sibirien, von wo er nicht mehr zurückkehrte. Dieser Schmerz begleitete sie ihr ganzes Leben.

1945 bis 1947 lebte sie in Bukarest, danach bis 1951 wieder in Wien. Dann gelang es ihr, nach New York zu fahren, wo sie sich in der Bronx niederließ.

Beyle Schaechter-Gottesman studierte am jiddischen Lehrerseminar. Sie wurde Lehrerin in den Arbeiterring-Schulen und an den Scholem-Alejchem-Volksschulen. In den 60er Jahren gründete sie zusammen mit der Familie ihres Bruders, den Schaechters, und der Familie Fishman ein Quartier für jiddischsprachige Familien in der Umgebung der Scholem-Alejchem-Schule 21, in der Gegend der Bainbridge Avenue, die sie Bainbridgivke nannten.

In dieser Zeit fing Beyle an, Gedichte, Lieder und Puppenspiele zu schreiben — vor allem für die Kinder, damit sie etwas Jiddisches zum Lesen und zum Spielen hatten. Sie gab das Journal enge-benge mit Werken der Bainbridgivke-Kinder heraus, und das kinder-zhurnal.

Später, als die Kinder schon erwachsen waren, fuhr Beyle Schaechter-Gottesman fort zu schreiben. Sie studierte bei den Koryphäen ihrer Zeit, z.B. bei Dan Miron, an der Columbia-Universität jiddische Literatur und Poesie.

Außer den Kinderbüchern khayiml un taybele (erschienen 1956, eine Neuausgabe mit einer Zugabe der Autorin für ihren Sohn Itzik soll 2014 erscheinen), mir forn (1963), mume blume di makhsheyfe (2000) und einem Liederbuch und der CD fli mayn flishlang (1999 und 2006) hat Beyle Schaechter-Gottesman sechs Gedichtbände veröffentlicht: steshkes tsvishn moyern (1972), mit eigenen Zeichnungen der Autorin, sharey (1980), lider (1995), perpl shlenglt zikh der veg (2002), der tsvit fun teg (2007) sowie im letzten Jahr a vinkl gantskeyt.

Die so vielfältig Begabte, die sich auf so vielerlei Art künstlerisch auszudrücken wusste, hat auch zwei CDs mit modernen Liedern aufgenommen: zumerteg (Noten 1990, CD 1991) und af di gasn fun shtot (2003). Von ihrer Mutter, Lifshe Schaechter-Widman, hatte sie eine große Anzahl traditioneller jiddischer Volkslieder gehört, und etliche von ihnen auf der CD bay mayn mames shtibele veröffentlicht. Sie kannte rumänische, ukrainische und deutsche Lieder und hatte ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis für lange Balladen, die sie bis zum Schluss auswendig sang.

Die jiddischen Lieder, die traditionellen und die eigenen, lehrte sie von 1990 an in Workshops rund um den Globus. Heute gehören ihre Werke zum internationalen Repertoire jiddischer Lieder.

In der Bronx führte sie ein offenes Haus, wo Sänger, Klezmermusiker und Jiddischanhänger ein- und ausgingen. Sie hielt die Tradition des Singens aufrecht, nicht nur öffentlich, sondern auch zu Hause am Schabbatabend oder an anderen Feiertagen. So konnten andere ihre besondere Art zu singen, die Atmosphäre und den Stil, im direkten Kontakt mit ihr aufnehmen.

Neben anderen Preisen wurde Beyle Schaechter-Gottesman 2005 ein National Heritage Fellowship zuerkannt, der höchste amerikanische Preis für folkloristisches Schaffen, woraus deutlich wird, dass man ihre Werke nicht nur der jiddischen Welt, sondern allgemein schätzt.

Unser Dank gilt auch ihrem Sohn, dem Folkloristen, Sänger, Journalisten Professor für Jiddische Sprache u.v.a.m. Itzik Gottesman, der seine Mutter all die Jahre über nicht nur als Sohn, sondern speziell bei Veröffentlichung ihrer Arbeit, unterstützt und den großen Teil ihrer Bücher und CDs herausgegeben hat.

 Möge ihr Werk kommenden Generationen von Sängern und Dichtern eine Inspiration sein ---

 Janina Wurbs

1 Aus dem Lied „Azoy lang“ von Beyle Schaechter-Gotteman.
2 Bundistisches Kulturhaus in Chernowitz.
3 Zusammenschluss jüdischer Schulen.