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Veranstaltungen im Rahmen von „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

 

Jiddisches Leben in Hamburg - Gab es das?

Fragt man die Menschen, was denn eigentlich „Jiddisch“ sei, wird dies häufig mit „jüdisch“ gleichgesetzt. Die SBG möchte in vier Veranstaltungen zeigen, dass Jiddisch in Hamburg präsent war. Die Veranstaltungsreihe wirft Schlaglichter auf Kaufleute, Gelehrte, Abenteurer, „Irre“ und Dichter, die Jiddisch sprachen und an konkreten Orten unserer Stadt lebten, arbeiteten oder darbten. Jiddisch ist als grenzüberschreitende, interkulturelle und identitätsstiftende Sprache hochaktuell. Lebensgeschichten eröffnen den Zugang zu heutigen Problemen von Emigration, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus. 

 

Sonntag, den 30. Mai 2021 um 18:00 Uhr, Jüdisches Kulturhaus Flora-Neumann-Str. 1

Salomon Maimon – Wanderer zwischen den Welten

Vortrag (Referent: Dr. Daniel Elon, Ruhruniversität Bochum) mit Lesung (Sprecher: Peter Bieringer)

Textbearbeitung: Inge Mandos

 

„Ja,  ich verstand nicht einmal irgendeine Sprache, worin ich mich ganz verständlich  machen konnte.“

Salomon Maimon, streitbares Genie aus Polen-Litauen, durchstreifte Ost- und Mitteleuropa auf der Suche nach der Wahrheit. Während dieser abenteuerlichen Reise eckt der Talmudschüler mit seiner Provokationslust und seinem schlechten Benehmen überall an, findet aber auch renommierte Bewunderer, wie Moses Mendelsohn und Immanuel Kant. Als Aufklärer ist er auch repräsentativ für den Ende des 18. Jahrhunderts eingeleiteten „Sprachwechsel“ vom Jiddischen zum Hochdeutschen. Durch einen Aufenthalt im Hamburger Christianeum (1783 bis 1785) versuchte er, seine Deutschkenntnisse zu verbessern.

 

 

Samstag, den 26. Juni 2021 um 20:00 Uhr, Jüdisches Kulturhaus Flora-Neumann-Str. 1

Glikl von Hameln – Kaufmannsfrau aus Hamburg u. Altona

Musik (Ensemble simkhat hanefesh "Freude der Seele") und Lesung (Sprecherin: Stella Jürgensen)

Jiddische Lieder und Musik aus der Zeit von Renaissance und Barock (1500-1800) mit:

James Hewitt (Barockvioline), Diana Matut (Gesang, Flöten, Nyckelharpa), Nora Thiele (Perkussion, Glocken, Colascione), Erik Warkenthin (Laute, Theorbe, Barockgitarre), Dietrich Haböck (Viola da Gamba)

 

„Im Jahre 1691 beginne ich dieses zu schreiben, aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid, wie weiter folgen wird.“

Glikl von Hameln, erfolgreiche Kaufmannsfrau aus Hamburg und Altona, verfasste ab 1691 die erste weibliche Autobiografie in westjiddischer Sprache. Sie berichtet von ihrem Leben als früh verwitwete jüdische Kaufmannsfrau und zwölffache Mutter: von Geschäften, Eheschließungen, Gemeindeleben, beschwerlichen Reisen, Zeitereignissen und  jüdischer Tradition. In Verbindung mit altjüdischen Liedern und Musik aus Renaissance und Barock, sorgfältig recherchiert und dargeboten vom Ensemble simkhat hanefesh, werden die von Stella Jürgensen eindringlich gelesenen Textauszüge lebendig.

 

 

Sonntag, den 22. August 2021 um 20 Uhr, Jüdisches Kulturhaus Flora-Neumann-Str. 1

Hamburg aus dem „Kukwinkl“ des jiddisch-sowjetischen Autors Leyb Kvitko

Musik (Ensemble SCHMATTES mit Stella Jürgensen und Inge Mandos (Gesang) , Gitarre: Andreas Hecht) und Lesung (Sprecherin: Stella Jürgensen)

Übersetzung jiddischer Texte: Marlies Ehlers, Renate Gültzow, Inge Mandos                                                             

Textbearbeitung: Inge Mandos, Stella Jürgensen

 

„Bald wird sich ganz Deutschland hinsetzen Mittag essen, und auch die nichts haben, die hungern, werden würdevoll Platz nehmen, denn es ist Mittagszeit.“

Der sowjetische Autor Leyb Kvitko verfasste 1923 eine detaillierte Beschreibung von Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik. Kaleidoskopartig bildet sein Erzähl-Zyklus  „Ba Riogrander fel“ Aspekte des damaligen politischen und gesellschaftlichen Lebens ab. Sein Bericht über den Hamburger Aufstand, seine bittere und ironische Sicht sind spannend und entlarvend. Die Lesung aus seinem jetzt von der Salomo-Birnbaum-Gesellschaft ins Deutsche übersetzten jiddischen Werk wird verbunden mit Zeitzeugnissen, Bildern und Musik der 20er Jahre (z.B. R. Gilbert, Gebr. Wolf), dargeboten vom Hamburger Ensemble „SCHMATTES“.

 

 

Sonntag, den 19. September 2021 um 20 Uhr, Jüdisches Kulturhaus Flora-Neumann-Str. 1

Meshuge aus Heimweh – Amerika-Rückwanderer in der Anstalt Friedrichsberg

aus dem Theaterstück "Wahnsinn aus Heimweh" (Medizinhistorisches Museum, 2018)

Performative Lesung mit: Benjamin-Lew Klon

Einrichtung & Bearbeitung: Anne Rietschel, Cora Sachs und Anton Kurt Krause

Musik & Tontechnik: Nourdin Ghanem

Kostüm & Masken: Cora Sachs

 

„Die sprachliche Verständigung ist selbstverständlich recht schwierig.“

Die Theateraufführung „Wahnsinn aus Heimweh“ beleuchtet ein bedrückendes Kapitel ostjüdischer Emigration über Hamburg in die USA.  Anfang des 20. Jahrhunderts verhinderte die Immigrationsbehörde auf Ellis Island die Einreise vieler Auswanderer, indem sie diese als „geisteskrank“ stigmatisierte und zurück schickte, darunter jiddisch sprachige Ostjuden Eingewiesen in die Irrenanstalt Hamburg-Friedrichsberg, machte die Unkenntnis des Jiddischen eine angemessene Behandlung unmöglich. Basierend auf alten Krankenakten entstand eine „dokufiktionale Inszenierung“ mit heute wieder aktueller Thematik.

 

 

Vorherige Reservierungen für alle Veranstaltungen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Veranstaltung 1:                    € 10,00 für Nichtmitglieder, für SBG-Mitglieder kostenlos

Veranstaltungen 2-4:            € 15,00 für Nichtmitglieder, € 12,00 für SBG-Mitglieder

Tickets sind an der Abendkasse erhältlich.

Coronabedingt kann es zu Änderungen im Programm kommen!

 

Organisatorische Leitung: Renate Gültzow

Künstlerische Leitung: Inge Mandos