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Jiddisches Leben in Hamburg, gab es das? - Programm 2021JLID

 

Jiddisches Leben in Hamburg, gab es das? - Programm 2021JLID

 

30. Mai 2021

Salomon Maimon – Wanderer zwischen den Welten

als Stream über Youtube (live aus dem Goldbekhaus): https://youtu.be/_PzWSVTheMo

Vortrag (Referent: Dr. Daniel Elon, Ruhruniversität Bochum) mit Lesung (Sprecher: Peter Bieringer)

Textbearbeitung: Inge Mandos

Salomon Maimon, streitbares Genie aus Polen-Litauen, durchstreifte Ost- und Mitteleuropa auf der Suche nach der Wahrheit. Während dieser abenteuerlichen Reise eckt der Talmudschüler mit seiner Provokationslust und seinem schlechten Benehmen überall an, findet aber auch renommierte Bewunderer, wie Moses Mendelsohn und Immanuel Kant. Als Aufklärer ist er auch repräsentativ für den Ende des 18. Jahrhunderts eingeleiteten „Sprachwechsel“ vom Jiddischen zum Hochdeutschen. Durch einen Aufenthalt im Hamburger Christianeum (1783 bis 1785) versuchte er, seine Deutschkenntnisse zu verbessern.

Peter Bieringer während seiner Lesung im Goldbekhaus

 

26. Juni 2021

Glikl von Hameln – Kaufmannsfrau aus Hamburg und Altona

Musik (Ensemble simkhat hanefesh "Freude der Seele") und Lesung (Sprecherin: Stella Jürgensen)

Jiddische Lieder und Musik aus der Zeit von Renaissance und Barock (1500-1800) mit:

James Hewitt (Barockvioline), Diana Matut (Gesang, Flöten, Nyckelharpa), Nora Thiele (Perkussion, Glocken, Colascione), Erik Warkenthin (Laute, Theorbe, Barockgitarre), Dietrich Haböck (Viola da Gamba)

Glikl von Hameln, erfolgreiche Kaufmannsfrau aus Hamburg und Altona, verfasste ab 1691 die erste weibliche Autobiografie in westjiddischer Sprache. Sie berichtet von ihrem Leben als früh verwitwete jüdische Kaufmannsfrau und zwölffache Mutter: von Geschäften, Eheschließungen, Gemeindeleben, beschwerlichen Reisen, Zeitereignissen und  jüdischer Tradition. In Verbindung mit altjüdischen Liedern und Musik aus Renaissance und Barock, sorgfältig recherchiert und dargeboten vom Ensemble simkhat hanefesh, werden die von Stella Jürgensen eindringlich gelesenen Textauszüge lebendig.

 

 

22. August 2021

Hamburg aus dem „Kukvinkl“ des jiddisch-sowjetischen Autors Leyb Kvitko

Musik (Ensemble SCHMATTES mit Stella Jürgensen und Inge Mandos (Gesang) , Gitarre: Andreas Hecht) und Lesung (Sprecherin: Stella Jürgensen)

Übersetzung jiddischer Texte: Marlies Ehlers, Renate Gültzow, Inge Mandos                                                             

Textbearbeitung: Inge Mandos, Stella Jürgensen

Der sowjetische Autor Leyb Kvitko verfasste 1923 eine detaillierte Beschreibung von Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik. Kaleidoskopartig bildet sein Erzähl-Zyklus  „Ba Riogrander fel“ Aspekte des damaligen politischen und gesellschaftlichen Lebens ab. Sein Bericht über den Hamburger Aufstand, seine bittere und ironische Sicht sind spannend und entlarvend. Die Lesung aus seinem jetzt von der Salomo-Birnbaum-Gesellschaft ins Deutsche übersetzten jiddischen Werk wird verbunden mit Zeitzeugnissen, Bildern und Musik der 20er Jahre (z.B. R. Gilbert, Gebr. Wolf), dargeboten vom Hamburger Ensemble „SCHMATTES“.

 

 

19. September 2021

Meshuge aus Heimweh – Amerika-Rückwanderer in der Anstalt Friedrichsberg

entwickelt aus dem Theaterstück "Wahnsinn aus Heimweh" (Medizinhistorisches Museum, 2018)

Performative Lesung mit Benjamin-Lew Klon

Einrichtung & Bearbeitung: Anne Rietschel, Cora Sachs und Anton Kurt Krause / Musik & Tontechnik: Nourdin Ghanem / Kostüm & Masken: Cora Sachs

Die Theateraufführung „Wahnsinn aus Heimweh“ beleuchtet ein bedrückendes Kapitel ostjüdischer Emigration über Hamburg in die USA.  Anfang des 20. Jahrhunderts verhinderte die Immigrationsbehörde auf Ellis Island die Einreise vieler Auswanderer, indem sie diese als „geisteskrank“ stigmatisierte und zurück schickte, darunter jiddisch sprachige Ostjuden Eingewiesen in die Irrenanstalt Hamburg-Friedrichsberg, machte die Unkenntnis des Jiddischen eine angemessene Behandlung unmöglich. Basierend auf alten Krankenakten entstand eine „dokufiktionale Inszenierung“ mit heute wieder aktueller Thematik.

 

Leitung des gesamten Programms der Salomo-Birnbaum-Gesellschaft für Jiddisch e.V. im Rahmen von 2021 jüdisches Leben in Deutschland :
Renate Gültzow (Organisation), Inge Mandos (Konzeption, künstlerische Leitung)