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SBG-Jubiläum 25+1

23. Oktober (+ 6. November) 2021

Stadtrundgang: Jiddisch in Hamburg, gab es das?

Infolge von Pogromen und wirtschaftlicher Not kam es zu mehreren großen Emigrationswellen aus Osteuropa, besonders von jiddischsprachigen Juden, die seit Ende des 19. Jahrhunderts über Hamburg in die USA emigrierten. Etliche von ihnen strandeten in Hamburg.

Wo blieben diese Menschen? Was taten sie? Waren sie alle nur „arme Schlucker“, die die Behörden und die Jüdische Gemeinde vor ein „Ostjudenproblem“ stellten, oder gab es unter ihnen auch Gelehrte, Künstler oder Kaufleute? Trat die Jiddische Sprache im Hamburger Stadtleben überhaupt in Erscheinung oder war sie auf ein paar Gelehrte und Völkerkundler beschränkt?

Inge Mandos, Sängerin und Jiddischaktivistin, geht bei einem Rundgang von der Sternbrücke durch das Grindelviertel diesen Fragen nach und wirft Schlaglichter auf Intellektuelle, Abenteurer, Waisen, Irre, Rebellen, brave Bürger und Dichter, die sich alle dieser Sprache bedienten und an konkreten Orten unserer Stadt lebten, arbeiteten oder darbten. Der jiddische Teil der jüdischen Kultur, bisher in Hamburg wenig präsent, erweist sich als kleiner, aber lebendiger Teil Hamburger Stadtgeschichte.

 

24. Oktober 2021

Konferenz: Jiddisch in Hamburg

Glikl: Texte und Kontexte. Vortrag von Dr. Diana Matut

Glikl (bas Yehude Leyb oder Glikl eyshes reb Khayim Hamel) ist eine der berühmtesten aschkenasischen Frauen, deren Leben gewöhnlich in Superlativen erzählt wird. Und in der Tat ist es angemessen, ihre Leistungen und Erfolge mit Respekt und Anerkennung zu würdigen. Es ist jedoch ebenso wichtig, den Kontext ihrer Zeit, jüdisches Frauenleben im Allgemeinen, die Arbeitswelt, Literatur und das soziale Gefüge der aschkenasischen Gemeinden in das Gesamtbild einzubeziehen. Dabei soll es natürlich nicht darum gehen, das zu schmälern, was Glikl hinterließ, sondern darzustellen, dass ihre Biographie im Kontext jüdischen Frauenlebens des 17. und 18. Jahrhunderts, obwohl sie ein Teil der Elite war, durchaus auch "gewöhnlich" war.

Dr. Diana Matut lehrt Yiddish und Jüdische Musik an verschiedenen Universitäten, darunter Halle (Wittenberg), Heidelberg und Oxford. Sie war Fellow am YIVO (New York) und am Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies, wo sie von 2019-2020 eine Forscher*innengruppe zu jüdischer Musik der Zeit von 1500-1750 leitete. Neben ihrer akademischen Karriere ist sie Sängerin der Gruppe simkhat hanefesh, die jüdische Musik aus Renaissance und Barock aufführt. Gemeinsam mit Josh Horowitz brachte Diana Matut im Rahmen des Henekh-Kon-Projekts die einzige erhaltene jiddische Oper aus dem Vorkriegseuropa zur Wiederaufführung (https://vimeo.com/375097552). Das Kadya-Molodowsky-Projekt mit Vertonungen jiddischer Kinderlyrik brachte sie gemeinsam mit Alan Bern zur Aufführung.

 

Nisters Symbolismus. Vortrag von Dr. Daniela Mantovan

Rätsel, Labyrinthe, Symbole, Verse und melodischer Fluss der Worte,  - die Werkzeuge eines kryptischen enigmatischen Schriftstellers,  - verbinden Der Nister mit seinen jüdischen Zeitgenossen Kafka und Bruno Schulz, sein Symbolismus mit den Protagonisten dieser literarischen Strömung in Russland und Europa, seine jüdische Erziehung mit den Kabbalisten und dem Mystiker Nakhman Bretslaver, und seine Leidenschaft für Folklore, Legenden, Mythen und Märchen mit der Kinderliteratur. Der Vortrag wird einige Aspekte von Nisters komplexem und exzentrischen literarischen Werk thematisieren, insbesondere wird die Erzählung „Tsygayner“ (1923) untergründige, manchmal beunruhigende Fragen aufwerfen.

Nach der Promotion in deutscher Literatur an der Universität Rom La Sapienza und einem PhD in Yiddish Studies an der Columbia University New York lehrte Daniela Mantovan Jiddische Literatur und Sprache an der Universität Heidelberg und an der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Sie hat Artikel und Essays über moderne jiddische Literatur, insbesondere über jiddisch-sowjetische Autoren veröffentlicht und an Nachschlagewerken wie Encyclopaedia Judaica (2nd Edition) und Dictionary of Literary Biography (2007) beigetragen und Werke jiddischer Autoren ins Deutsche und Italienische übersetzt. Aus Anlass des hundertjährigen Jahrestages der Geburt von Isaac Bashevis Singer organisierte sie die erste jiddische internationale Tagung in Rom im Jahr 2004 und begleitete im Jahr 2013 als Herausgeberin die Veröffentlichung des Bandes Yiddish Poets and the Soviet Union, 1917- 1948. Ab 2015 leitete sie das von der DFG geförderte Forschungsprojekt „Sovetish heymland“ (1961-1991) Navigationshilfen und kritischer Kommentar zu einer jiddisch-sowjetischen literarischen Zeitschrift.

 

 

Schmattes: Andreas Hecht, Inge Mandos, Stella Jürgensen     A Mekhaye: Taly Almagor, Stefan Goreiski, Anna Vishnevska (Maike Spieker auf dem Foto nicht zu sehen)

Schmattes                                                                                                                       A Mekhaye

 

Tsuzamen. Musikgala mit...

1. SCHMAROWOTSNIK: Christine von Bülow (Oboe, Englischhorn, Gesang) und Martin Quetsche (Akkordeon, Gesang)

2. KLEZMERATA: Kateryna Ostrovska (Gitarre, Gesang), Guido Jäger (Kontrabass)

3. A MEKHAYE: Stefan Goreiski (Akordeon), Taly Almagor (Violine), Maike Spieker (Klarinette), Anna Vishnevska (Gitarre, Gesang)

4. STELLAS MORGENSTERN: Stella Jürgensen (Gesang) und Andreas Hecht (Gitarre) / SCHMATTES: Stella Jürgensen und Inge Mandos (Gesang) und Andreas Hecht (Gitarre)

5. ENSEMBLE WAKS: Inge Mandos (Gesang), Klemens Kaatz (Piano), Hans-Christian Jaenicke (Violine)

6. HAMBURG KLEZMER BAND: Mark Kovnatskiy (Violine, Gesang), Stanislav Dinerman (Akkordeon), Mikhail Manevitch (Tuba)

 

Das Programm wurde finanziert durch Zuschüsse der Behörde für Schule und Berufsbildung, des Bezirksamtes Hamburg-Mitte

sowie durch Spenden anlässlich der Bestattung unseres verstorbenen langjährigen Mitglieds Peter Freund.